Performatives Kollektiv

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September 2019

Es war einmal in Westdeutschland


DIE HAPPY FEW erforschen mit Detmolder Expert_innen die Mobilität der Zukunft und den Abschied vom motorisierten Individualverkehr.

Am 20. September 2019, den Tag des weltweiten Streiks fürs Klima werden wir in der Detmolder Innenstadt, in einer Parklücke, in der Krumme Straße eine Zeitkapsel für das Jahr 2035 in die Welt setzen und laden alle Bürger_innen ein, im Autokino noch einmal gemeinsam mitzuerleben, warum wir Deutschen unsere Autos so lieben. Unbegrenzte Freiheit, Sommerurlaube in Schweden und Südfrankreich hatten unsere Autos uns einst versprochen.
Davon wollen und können wir uns nicht trennen, aber wir sind älter und auch ein wenig vernünftiger geworden und jetzt wissen wir dass es auch in der Liebe Alternativen gibt, die unser Zusammenleben besser machen können und die uns dem Wesentlichen vielleicht näher bringen.


Am 20. September 2019 von 12:00 bis 18:00 in der Krumme Straße, 32756 Detmold.


Mit Ebell, von Bolla & Schnaegelberger.



INTERVIEW MIT DEN HAPPY FEW ZUM PARKING DAY AM 20. SEPTEMBER

Deutschland ist ein Autoland. Verkehrswissenschaftler_innen sagen, die Mobilitätswende (d.h. verkürzt gesagt der Umstieg auf umweltfreundliche Verkehrsmittel) sei eine der größten Herausforderungen im Kampf gegen den Klimawandel. Wie kann eure Kunst hier in die autoverliebten Köpfe dringen?

Liebe ist das entscheidende Stichwort. Was die Menschen an ihrem Auto lieben sind zuerst die Möglichkeiten, die es ihnen bietet, auch wenn sie diese Freiheiten nur selten nutzen. Das eigene Auto ist, neben dem Wunsch nach Distinguierung, immer noch das Versprechen von Freiheit, Unabhängigkeit und Individualität. Und wie das mit der Liebe und ihren Versprechungen so ist, ganz rational können wir eine Liebesbeziehung nie erklären. In einer Liebesbeziehung fragen wir nicht, was uns unsere Liebe kostet, oder ob es nicht bessere Alternativen zu ihr gibt. Wir waren, als wir jung waren einmal verliebt und sind zusammen geblieben, so sehen wir die Beziehung der Deutschen zu ihren Autos; eine alternativlose Bindung.
Mit unsere Kunst wollen wir als erstes mit Detmolder_innen ins Gespräch kommen, sie im nächsten Schritt sensibilisieren und zeigen, dass es Alternativen zum eigenen Auto gibt, die sowohl ökonomisch, ökologisch wie auch sozial verträglicher sind als das eigene Auto vor der eigenen Haustür. Wir arbeiten im Moment an einem Fragebogen an Autoliebhaber_innen, aus dem sich, so hoffen wir, neue Fragen und eventuell auch Antworten ergeben. Wenn man so will sind wir Scheidungsberater, für die, die es wollen.


Wieso interessiert euch eine künstlerische Auseinandersetzung mit dem Thema Verkehr bzw. Parkplatz? Kennt ihr Künstler_innen bzw. Projekte in anderen Ländern, die sich mit Parkplätzen beschäftigen? Haben diese euch inspiriert?

Mobilität ist ein anerkanntes Grundbedürfnis. Bewusst oder unbewusst verhalten wir uns alle dazu, täglich. Das Thema Verkehr betrifft gesellschaftliche Fragen auf vielen Ebenen: von der Umweltverträglichkeit über Fragen der sozialen Gerechtigkeit und Teilhabe bis hin zur Frage wie wir in Zukunft wirtschaften wollen. Eines ist dabei klar; es reicht nicht unser zukünftiges Wirtschaften auf erneuerbare Energien umzustellen. Wir müssen uns fragen, wo und wie in der Zukunft Wachstum stattfinden soll und schlussendlich auch, ob ein verantwortungsvoller Umgang mit den uns zur Verfügung stehenden, also begrenzten Ressourcen, unter dem Diktat des jährlichen, also qua Definition unbegrenzten Wachstum, überhaupt möglich ist?
Wir beschäftigen uns mit Technologie und Politik, der Verantwortung der Einzelnen und schlussendlich natürlich der Frage: wie wollen wir als Gesellschaft zusammen leben? Dafür greifen wir weniger auf bestehende künstlerische Positionen und mehr auf technologische, journalistische und politische Texte und Ideen für die Zukunft zurück. In den meisten Zukunftsvisionen ist der Verkehr neben der erneuerbaren Energieerzeugung und der nachhaltigen Landwirtschaft das Schlüsselthema.

Im Künstlerischen setzen wir uns mit Positionen des Empowerment, also der Selbstermächtigung auseinander, die für uns, DIE HAPPY FEW, das entscheidende Bindeglied zwischen Politik und Kunst ist. Konkret heißt das, dass wir uns mit Bewegungen wie Fridays for Future auseinander setzen, die sich in ihren Protesten auch künstlerischer Ausdrucksformen bedienen, sie auf wunderbare Weise adaptieren und weiterentwickeln.


Wenn ihr einen Parkplatz auf Dauer umgestalten könntet, wie würde dieser dann aussehen? Wo befindet er sich und warum ausgerechnet dort?

Die einzelne Parklücke hat viele Potentiale. Wir sehen hier vor allem die Chance einen eigentlich Öffentlichen, also einem Raum der jedem und jeder zur Verfügung stehen sollte wieder zu einem solchen zu machen. Im Moment stehen auf öffentlichen Parkplätzen vor allem private Autos und das im Schnitt 23 Stunden pro Tag. Was könnten wir als Gesellschaft aus diesen Möglichkeitsräumen machen, wenn wir diese Räume wieder der Allgemeinheit zur Verfügung stellen?
Wir würden uns freuen wenn diese Freiräume genützt würden, um zu mehr Verständigung in der Stadt, im Viertel, im Quartier und in der Anliegerstraße zu führen. Wenn wir Räume schaffen können, in denen Nachbar_innen vermehrt miteinander sprechen, sich gegenseitig unterstützen und voneinander lernen, dann haben wir alle gewonnen. Damit nehmen wir gleichzeitig auch dem Rechtspopulismus den Raum, der wie der Individualverkehr auf eine Separation der Bürger_innen gerichtet ist, "wir gegen die Anderen", dagegen wollen wir uns verwehren.

Konkret möchten wir gerne ein Autokino hinterlassen. Einen geparkten Kombi, der für alle offen steht und in dem eine monatlich wechselnde Auswahl von Filmen, on demand, auf der Windschutzscheibe projiziert, verfügbar ist. Hier könnte wir, auf dem Beifahrersitz oder im Kofferraum, den transitiven Raum des Automobils, den Ort der Möglichkeiten und seinen ganz eigenen Geruch, erleben ohne uns physisch zu bewegen und gemeinsam mit Nachbar_innen eine Reise unternehmen, die uns vielleicht weiterführt als der Kurzurlaub mit Easyjet auf Ibiza.
Wo dieser Ort sein soll? Er soll in jeder Straße sein und er soll in jeder Straße anders sein. Die Straße gehört uns allen und wir müssen nur vor die Haustür treten, das Auto stehen lassen, die Straße enlang spazieren und entdecken, was sie uns erzählt.


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